Verband
Samstag März 06, 2021

Der Westdeutsche Basketball-Verband hat ein eigenes J-Team. J-Team? Nein, das ist weder eine japanische Erfindung noch eine neue Disziplin aus dem eSport. Es geht um ein für den Sport unglaublich wichtiges Thema: das Ehrenamt und die Jugendarbeit.

Mads-Ole Lethaus (Mads), Florian Rüger (Flo) und Luis Hißmann (Luis) vom WBV-J-Team im Gespräch mit WBV Pressesprecher Rüdiger Tillmann.

Was ist eigentlich das WBV-J-Team?

Mads: Ein J-Team ist dafür da, um im jeweiligen Verband oder Verein Projekte umzusetzen, die das junge Engagement, das Ehrenamt oder die Jugendarbeit grundsätzlich fördern. Es ist ein Zusammenschluss junger Menschen unter 27 Jahren. Ein J-Team gibt es nicht nur beim WBV, sondern auch viele Fachverbände und Vereine haben das auch. Die Struktur eines J-Teams ist grundsätzlich frei wählbar von der Anzahl, im Gegensatz zu z.B. einem Jugendvorstand. Es ist also alles eher locker zu sehen. Im WBV ist es einfach ein Zusammenschluss engagierter junger Menschen, wie wir drei es sind, aus verschiedenen Vereinen Nordrhein-Westfalens, einer ist sogar aus Baden-Württemberg dabei, weil er früher einmal in Köln gewohnt hat, hier Mitglied war und sich nach seinem Umzug dem WBV immer noch verbunden fühlt. Das finden wir ziemlich cool.

Flo: Dabei geht es nicht immer nur ums „Anpacken“, also das aktive Mithelfen und Muskelkraft –das gehört natürlich auch dazu. Vor allem geht es um Konzepte und Möglichkeiten, die das Ehrenamt im Basketball leichter machen.

Ihr seid also dafür zuständig, Nachwuchs für das Ehrenamt zu akquirieren?

Flo: Ja, zu akquirieren und wenn er schon da ist, zu verbinden.

Und das nicht nur auf Verbands- sondern auch auf Vereinsebene?

Luis: Wir möchten den Grundstein dafür legen, dass die Vereine es leichter haben, die Menschen zu halten. Dass die Vereine Denkanstöße bekommen, wie die jungen Ehrenamtler erstmal akquiriert werden können, aber auch danach vernünftig betreut werden. Der Nachwuchs soll sich dem Verband und dem Verein zugehörig fühlen.

Warum macht Ihr mit? Wollt Ihr mal Vorstand von einem Basketballverein werden?

Mads: Ich habe vor zwei Jahren Bundesfreiwilligendienst gemacht, habe darüber die Arbeit der J-Teams kennengelernt und habe dann im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes ein J-Team bei uns im Basketballverein gegründet. Als dann die Idee von einem WBV-J-Team aufkam, war ich sofort begeistert, weil man im Verband ein noch viel größeres Netzwerk hat. Man hat viel mehr Möglichkeiten seine eigenen Ideen zu entfalten. Ich würde nicht sagen, dass man da mitmacht, weil, um mal einen Vorstandsposten im Verein zu besetzen, sondern weil man dort seine eigenen Ideen besser umsetzen kann. Normalerweise sind ja die Vorstandsmitglieder in den Vereinen eher etwas älter. Bei uns im J-Team hat man aber viele Gleichgesinnte im gleichen Alter, die vielleicht auch die gleichen Interessen haben und deshalb macht die Arbeit im Ehrenamt damit einfach viel mehr Spaß!



Mads-Ole Lethaus (Mads)


Also, den Alten mal zeigen wo’s lang geht?

Mads: Ja, das könnte man so sagen…

(Nur für das Protokoll: Es haben alle drei genickt und gelacht!)

Flo: Mit „Gleich-Verrückten“ in der gleichen Altersgruppe zu arbeiten ist für mich auch viel interessanter als nur im Verein, wo es nicht so viele in meinem Alter gibt. Für mich macht es das gerade aus, dass ich mit anderen, die aus ihren Vereinen vielleicht die gleichen Probleme wie ich kennen, diese gemeinsam angehen kann. Ich habe meinen Bundesfreiwilligendienst beim DBB in Hagen gemacht, weil ich aus Hagen komme. Im Rahmen meines BFD habe ich dort im Juniorteam mitgemacht und als Sebastian das J-Team für den WBV ausgeschrieben hat, war ich sofort Feuer und Flamme, weil ich die Struktur ja schon ein bisschen kannte und die Idee des Juniorteams und deshalb die Arbeit im WBV auch gerne weiterführen wollte.

Luis: Ich liebe einfach den Sport Basketball! Je mehr man in dem Sport unterwegs ist, fallen einem immer mehr die Probleme auf, die irgendwo bestehen. Sei es in Bezug auf die Unterstützung von neuen, jungen Trainern, wenn sie anfangen, oder eine hohe Trainerfluktuation. Das passiert halt und das sind Punkte, wo man ansetzen muss, weil es ohne Trainer keinen Basketballsport gibt. Das zieht sich durch alle Funktionen, die man in einem Verein hat, durch. Ohne jemanden, der Kampfgericht macht, kannst du kein Spiel spielen. Ohne Trainer, ohne Schiedsrichter geht eben nichts. Ich habe über Instagram von der Gründung des J-Teams erfahren und wollte da sofort rein, weil ich das Gefühl hatte, dass sich dort vor allem Menschen melden, die den Sport einfach mögen, die neue junge Leute kennenlernen wollen, die gleich ticken und dann anpacken. Der Grund ist also, den Sport zu erhalten und für junge Leute attraktiver zu machen.

Ehrenamt hört sich furchtbar altmodisch an? Wie seht Ihr das?

Luis: Es stimmt, dass das Wort „Ehrenamt“ damit verbunden wird. Bei Ehrenamt denkt man erst einmal daran, dass sind die Leute die freiwillig in den Vereinsvorstand gehen, weil das eigentlich keiner machen möchte. Das sind dann häufig auch eher etwas ältere Menschen. Dann gibt es immer jemanden, der sich bereit erklärt die Kasse zu machen. Genau da liegt für uns schon ein Ansatzpunkt: Ehrenamt ist grundsätzlich erst einmal nichts „Altes“. Das befindet sich in einem Entwicklungsprozess. Man braucht immer Ehrenamtler, genauso wie man immer junge Menschen braucht. Warum sollte man das also nicht miteinander verknüpfen? Unser Ziel ist es auch, das Wort „Ehrenamt“ mit einem jüngeren Image zu behaften.

Flo: Definitiv! Wir wollen natürlich auf keinen Fall irgendetwas gegen die vielen Ehrenamtler sagen, die viel mehr Erfahrung haben als wir! Die sind genauso superwichtig, weil man von ihnen so viel lernen kann, auch aus Dingen, die falsch gelaufen sind. Aber die generelle Idee des Juniorteams, so wie ich sie interpretiere, und ich glaube, da sind wir drei uns einig, dass Erfahrung und junge Experimentierfreude neue Dinge auszuprobieren, vielleicht auch mal umzudenken, in Kombination ein Erfolgsrezept ist, dass Sportarten, die nicht so viel Zulauf wie z.B. Fußball haben, einfach weiterhelfen. Es ist definitiv ein Rezept, den Basketball in Deutschland und vielleicht sogar international weiter voranzubringen.

Wie sieht das konkret aus? Was wollt Ihr umsetzten und wen wollt Ihr ansprechen?

Luis: Das erste, was wir jetzt in Angriff genommen haben ist, dass wir eine Umfrage gestaltet haben, die an alle Ehrenamtler unter 27 Jahren beim WBV gehen soll. Uns geht es darum, die Struktur von jungen Menschen im Ehrenamt kennenzulernen. Wir müssen, um repräsentativ etwas auf die Beine stellen zu können, müssen wir natürlich wissen, wie sieht diese Ehrenamtslandschaft im WBV aus. Wo können wir ansetzen? Sind die Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben, überhaupt repräsentativ oder geht es allen super? Ausgehend von dieser Umfrage wollen wir eine Problemanalyse starten und daraus resultierend Maßnahmen planen.



Luis Hißmann (Luis)


Das heißt, ihr wollt aus den Umfrageergebnissen konkrete Projekte entwickeln?

Luis: Also erst einmal eine grundsätzliche Leitlinie mit der Antwort auf die Frage „Wo möchten wir hin?“ – und von da aus Projekte als Werkzeuge zu entwickeln, um das Ziel langfristig zu erreichen.

Flo du bist 22 Jahre alt, Mads und Luis, ihr seid 21 Jahre alt – ist dann in fünf bis sechs Jahren Schluss?

Mads: Die 27 Jahre sind ja nur ein Richtwert. Sebastian (Küppers) macht auch mit und der ist ja auch nicht mehr 27. Aber es ist nicht so, dass es mit 27 heißt „Du bist jetzt raus“. Natürlich ist es schwer vorherzusagen, was wir drei oder eben auch alle anderen aus dem J-Team in fünf bis sechs Jahren machen, wo die Wege hinführen, weil viele von uns ja auch noch studieren oder eine anderweitige Ausbildung machen. Aber wir stellen uns natürlich vor, dass immer wieder neuer Nachwuchs dazu kommt und wir dann das Wissen, was wir über zwei, drei oder vier Jahre aufgebaut haben, das können wir dann weitergeben. Vielleicht treten wir dann auch in die Vorstandsarbeit des WBV ein. Es wird immer Möglichkeiten und Wege geben, wenn wir weiterhin stark engagiert sind, dass wir uns in diesem Feld auch noch weiter engagieren können. Ich glaube, ich kann hier für uns drei sprechen, dass uns die Sache so am Herzen liegt, dass wir, wenn es die Zeit zulässt, auch danach noch gerne weiter mithelfen und mitarbeiten.

(Nur für das Protokoll: Es haben alle drei genickt und gelacht!)

Flo: Ehrenamt hört ja nicht mit 27 auf. Das Einzige, was von den Leitlinien her aufhört, ist das Juniorteam, wie es die deutsche Sportjugend, die dieses Projekt vorantreibt, festgelegt hat. Aber es gibt hunderte von Möglichkeiten, irgendwo im Basketball ehrenamtlich aktiv zu sein, als Schiedsrichter, in irgendeinem Verein in einer offiziellen oder inoffiziellen Funktion, als Kampfrichter, als Trainer, was auch immer … und wenn du basketball-verrückt bist, wird dich keine Altersgrenze davon abhalten, das zu tun! Bei uns im Jugendteam wird schon gewitzelt „Was kommt nach 27?“. Wenn wir kein Juniorteam mehr sind, dann sind wir eben ein Seniorteam. Dann gründen wir eben etwas Eigenes. Da gibt es doch genügend Möglichkeiten! Das Einzige, was immer da sein muss, ist die Motivation mitzuhelfen.

Was möchtet Ihr mit dem J-Team erreichen, was ist eure Vision – und natürlich dürft Ihr auch die Werbetrommel für neue Mitglieder rühren.

Mads: Mein Ziel mit dem J-Team ist, viele, viele junge Menschen im Basketball in NRW erreichen, diese ans Ehrenamt binden, wenn sie noch nicht im Ehrenamt sind, denen zu zeigen, wie viel Spaß Ehrenamt machen kann. Und die Ehrenamtlichen, die jetzt schon in den Vereinen tätig sind und die, die wir neu gewinnen, optimal auf ihre Ehrenamtsarbeit vorzubereiten. Ehrenamtliche Arbeit soll nicht als Arbeit angesehen werden, sondern als Hobby. Es soll kein Zwang sein, sondern etwas, dass ich gerne mit Spaß mache. Das ist das, was ich gerne im J-Team erreichen möchte und ich glaube, mit den 13 Mitgliedern, die wir aktuell haben ist das auch sehr gut umsetzbar.

Flo: Ich will mit meiner Arbeit im Ehrenamt mit dem WBV-Juniorteam, aber auch auf Bundesebene und Vereinsebene, die Grundlagen dafür legen, dass viele weitere Ehrenamtler dazu kommen. Ich möchte mich und andere weiterentwickeln und dadurch auch neue Leute kennenlernen.



Florian Rüger (Flo)


Luis: Ich möchte mir dem J-Team den jungen Menschen, denen der Sport genauso sehr gefällt wie mir, zeigen, was Ehrenamt ist, dass es eben auch etwas Junges sein kann. Wie man da am besten reinkommt, Grundlagen für einen guten Einstieg schaffen, wie man dabei Spaß haben kann, also dass es kein Zwang ist und wie man dann wieder neue Menschen akquirieren kann. Das zweite Ziel ist es, das Konzept „J-Team“ bekannter zu machen. Das nicht mehr die Frage gestellt wird „Was ist ein J-Team?“, sondern „In welchem J-Team bist du?“

Und jetzt noch mal die Werbetrommel rühren ...

Mads: Ganz wichtig: Wir freuen uns über jeden, der bei uns mithelfen will, und zwar egal in welcher Form! Es ist echt cool und die Meetings machen wirklich Spaß. Der Zeitaufwand ist nicht wirklich groß, wir treffen uns einmal monatlich für circa eine Stunde, plus eventuellen Treffen in Arbeitsgruppen, wenn wir dann soweit sind. Wenn du also Interesse daran hast mit jungen, motivierten Menschen zusammenzuarbeiten, bist du herzlich willkommen bei uns!

Und wenn Uwe Plonka tatsächlich einmal sein Amt aufgibt, wer von Euch dreien wird dann sein Nachfolger als Präsident des WBV?

Wir alle drei zusammen! Es wird ein Dreigestirn! Wir machen das zu Dritt.


Fragen zum J-Team?
Dann wendet euch an Sebastian Küppers, Referent Jugendverbandsarbeit
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